UN-Kennzeichnung auf Gefahrgutverpackungen lesen
Verpackungen für gefährliche Güter brauchen eine Bauartzulassung nach den internationalen Gefahrgutvorschriften (u. a. ADR für die Straße, RID für die Schiene, IMDG-Code für den Seeverkehr, ICAO-TI/IATA-DGR für die Luftfracht). Jede zugelassene Verpackung trägt ein dauerhaftes UN-Kennzeichen. Es zeigt, für welche Prüfanforderungen die Bauart zugelassen ist: Verpackungsart und Werkstoff, Verpackungsgruppe, Dichte oder Bruttomasse, Prüfdruck, Herstellungsjahr, Zulassungsstaat und Hersteller.
Das Kennzeichen beschreibt die Verpackung, nicht den Inhalt. Welcher Stoff in welcher Verpackung befördert werden darf, regeln die Vorschriften zum jeweiligen Stoff. Die Gefahren des Inhalts werden zusätzlich über Gefahrzettel und Kennzeichnung des Versandstücks angegeben.
Die Angaben stehen in fester Reihenfolge und sind durch Schrägstrich oder Leerzeichen getrennt, ein- oder mehrzeilig:
- 3H1
- Y1.4
- 150
- 24
- D
- BAM 12345-ABC
- UN-Symbol für Verpackungen (bei geprägten Metallverpackungen auch die Buchstaben „UN“).
- Verpackungscode: Ziffer für die Art, Buchstabe(n) für den Werkstoff, ggf. Ziffer für die Ausführung. Hier: Kanister aus Kunststoff mit nicht abnehmbarem Deckel.
- Verpackungsgruppe + Dichte oder Masse: X, Y oder Z, bei Flüssigkeiten gefolgt von der relativen Dichte (darf bei höchstens 1,2 entfallen), bei festen Stoffen oder Innenverpackungen von der Bruttohöchstmasse in kg.
- Prüfdruck oder „S“: bei Flüssigkeiten der hydraulische Prüfdruck in kPa (auf 10 kPa abgerundet), bei festen Stoffen oder Innenverpackungen der Buchstabe S.
- Herstellungsjahr (letzte zwei Ziffern). Bei Kunststofffässern und -kanistern (1H, 3H) zusätzlich der Herstellungsmonat, meist als Datumsuhr.
- Zulassungsstaat als internationales Kfz-Unterscheidungszeichen, z. B. D für Deutschland.
- Hersteller oder Zulassungskennung nach Vorgabe der zuständigen Behörde. In Deutschland ist das die BAM (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung).
Musterkennzeichen zur Erklärung; die Zulassungsnummer ist ein Platzhalter.
UN-Code entschlüsseln
Schrägstriche, Leerzeichen, „UN“ davor und Komma statt Punkt sind egal. Teilangaben wie „3H1/Y1.4/150“ funktionieren auch.
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Ziffer 1: Verpackungsart
| Ziffer | Verpackungsart |
|---|---|
| 1 | Fass |
| 2 | (bleibt offen) |
| 3 | Kanister |
| 4 | Kiste |
| 5 | Sack |
| 6 | Kombinationsverpackung (Innengefäß + Außenverpackung als Einheit) |
| 7 | (bleibt offen) |
| 0 | Feinstblechverpackung |
Steht der Code mit zwei Ziffern am Anfang (11, 13, 21, 31), handelt es sich um ein Großpackmittel (IBC), siehe unten.
Buchstabe: Werkstoff
| Buchstabe | Werkstoff |
|---|---|
| A | Stahl (alle Typen und Oberflächenbehandlungen) |
| B | Aluminium |
| C | Naturholz |
| D | Sperrholz |
| F | Holzfaserwerkstoff |
| G | Pappe |
| H | Kunststoff (auch Gummi u. a. Polymere) |
| L | Textilgewebe |
| M | Papier, mehrlagig |
| N | Metall (außer Stahl oder Aluminium) |
| P | Glas, Porzellan oder Steinzeug |
Bei Kombinationsverpackungen (Ziffer 6) stehen zwei Buchstaben: zuerst der Werkstoff des Innengefäßes, dann der der Außenverpackung, z. B. 6HA1 = Kunststoffgefäß in einem Stahlfass.
Alle Verpackungscodes mit Ausführung
Die letzte Ziffer bedeutet je nach Verpackung etwas anderes: Bei Fässern und Kanistern steht 1 für einen nicht abnehmbaren und 2 für einen abnehmbaren Deckel, bei Kisten und Säcken beschreibt sie die Ausführung.
| Code | Art | Werkstoff | Ausführung |
|---|---|---|---|
| 1A1 | Fass | Stahl | nicht abnehmbarer Deckel |
| 1A2 | Fass | Stahl | abnehmbarer Deckel |
| 1B1 | Fass | Aluminium | nicht abnehmbarer Deckel |
| 1B2 | Fass | Aluminium | abnehmbarer Deckel |
| 1D | Fass | Sperrholz | – |
| 1G | Fass | Pappe | – |
| 1H1 | Fass | Kunststoff | nicht abnehmbarer Deckel |
| 1H2 | Fass | Kunststoff | abnehmbarer Deckel |
| 1N1 | Fass | Metall (außer Stahl/Alu) | nicht abnehmbarer Deckel |
| 1N2 | Fass | Metall (außer Stahl/Alu) | abnehmbarer Deckel |
| 3A1 | Kanister | Stahl | nicht abnehmbarer Deckel |
| 3A2 | Kanister | Stahl | abnehmbarer Deckel |
| 3B1 | Kanister | Aluminium | nicht abnehmbarer Deckel |
| 3B2 | Kanister | Aluminium | abnehmbarer Deckel |
| 3H1 | Kanister | Kunststoff | nicht abnehmbarer Deckel |
| 3H2 | Kanister | Kunststoff | abnehmbarer Deckel |
| 4A | Kiste | Stahl | – |
| 4B | Kiste | Aluminium | – |
| 4C1 | Kiste | Naturholz | einfach |
| 4C2 | Kiste | Naturholz | mit staubdichten Wänden |
| 4D | Kiste | Sperrholz | – |
| 4F | Kiste | Holzfaserwerkstoff | – |
| 4G | Kiste | Pappe (auch Wellpappe) | – |
| 4H1 | Kiste | Kunststoff | Schaumstoff |
| 4H2 | Kiste | Kunststoff | starrer Kunststoff |
| 4N | Kiste | Metall (außer Stahl/Alu) | – |
| 5H1 | Sack | Kunststoffgewebe | ohne Innenauskleidung oder Beschichtung |
| 5H2 | Sack | Kunststoffgewebe | staubdicht |
| 5H3 | Sack | Kunststoffgewebe | wasserbeständig |
| 5H4 | Sack | Kunststofffolie | – |
| 5L1 | Sack | Textilgewebe | ohne Innenauskleidung oder Beschichtung |
| 5L2 | Sack | Textilgewebe | staubdicht |
| 5L3 | Sack | Textilgewebe | wasserbeständig |
| 5M1 | Sack | Papier | mehrlagig |
| 5M2 | Sack | Papier | mehrlagig, wasserbeständig |
| 6HA1 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Fass aus Stahl |
| 6HA2 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Verschlag oder einer Kiste aus Stahl |
| 6HB1 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Fass aus Aluminium |
| 6HB2 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Verschlag oder einer Kiste aus Aluminium |
| 6HC | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einer Kiste aus Naturholz |
| 6HD1 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Fass aus Sperrholz |
| 6HD2 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einer Kiste aus Sperrholz |
| 6HG1 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Fass aus Pappe |
| 6HG2 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einer Kiste aus Pappe |
| 6HH1 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einem Fass aus Kunststoff |
| 6HH2 | Kombinationsverpackung | Kunststoffgefäß | in einer Kiste aus starrem Kunststoff |
| 6PA1 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Fass aus Stahl |
| 6PA2 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Verschlag oder einer Kiste aus Stahl |
| 6PB1 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Fass aus Aluminium |
| 6PB2 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Verschlag oder einer Kiste aus Aluminium |
| 6PC | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einer Kiste aus Naturholz |
| 6PD1 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Fass aus Sperrholz |
| 6PD2 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Weidenkorb |
| 6PG1 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einem Fass aus Pappe |
| 6PG2 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einer Kiste aus Pappe |
| 6PH1 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einer Außenverpackung aus Schaumstoff |
| 6PH2 | Kombinationsverpackung | Gefäß aus Glas, Porzellan oder Steinzeug | in einer Außenverpackung aus starrem Kunststoff |
| 0A1 | Feinstblechverpackung | Stahl | nicht abnehmbarer Deckel |
| 0A2 | Feinstblechverpackung | Stahl | abnehmbarer Deckel |
Zusätze hinter dem Code: T = Bergungsverpackung, V = Sonderverpackung, W = gleichwertige Verpackung mit abweichender Spezifikation (z. B. 4HW).
Verpackungsgruppe, Dichte, Masse und Prüfdruck
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| X | geprüft für die Verpackungsgruppen I, II und III (hohe, mittlere und geringe Gefahr) |
| Y | geprüft für die Verpackungsgruppen II und III |
| Z | nur für die Verpackungsgruppe III |
| Zahl mit Komma | bei Flüssigkeiten ohne Innenverpackung: relative Dichte, auf eine Dezimalstelle gerundet (z. B. Y1.4). Darf entfallen, wenn sie 1,2 nicht überschreitet; dann steht nur der Buchstabe (z. B. Y/100). |
| Zahl + S | bei festen Stoffen oder Innenverpackungen: Bruttohöchstmasse in kg (z. B. Y60/S = höchstens 60 kg brutto). |
| kPa | bei Flüssigkeiten: bestandener hydraulischer Prüfdruck in kPa, auf 10 kPa abgerundet (z. B. 150 = 150 kPa = 1,5 bar). |
Eine für X oder Y geprüfte Verpackung darf auch für Stoffe einer niedrigeren Verpackungsgruppe genutzt werden, dann mit entsprechend höherer zulässiger Dichte. Die Einzelheiten stehen im Prüfbericht bzw. Zulassungsschein.
Großpackmittel (IBC), Rekonditionierung und weitere Zeichen
IBC haben einen Code mit zwei Ziffern: 11 = feste Stoffe, Befüllung/Entleerung durch Schwerkraft, 21 = feste Stoffe unter Druck (über 10 kPa), 31 = flüssige Stoffe (alle starr), 13 = flexibel. Danach folgen Werkstoff und ggf. Ausführung, z. B. 31HA1 = Kombinations-IBC für Flüssigkeiten mit starrem Kunststoff-Innenbehälter in einer Umhüllung aus Stahl. Die Reihenfolge der Angaben ist anders als bei Verpackungen: Code / Verpackungsgruppe (ohne Dichte) / Monat und Jahr der Herstellung / Staat / Hersteller / Stapelprüflast in kg (0 = nicht stapelbar) / höchstzulässige Bruttomasse in kg.
Rekonditionierte Verpackungen tragen zusätzlich Staat, Rekonditionierer und Jahr mit dem Buchstaben R, nach bestandener Dichtheitsprüfung zusätzlich L (z. B. NL/RB/01RL).
REC neben dem Kennzeichen bedeutet: hergestellt aus Recycling-Kunststoff.
Verwendungsdauer: Fässer und Kanister aus Kunststoff sowie starre Kunststoff-IBC und Kombinations-IBC mit Kunststoff-Innenbehälter dürfen in der Regel fünf Jahre ab Herstellungsdatum für Gefahrgut verwendet werden, sofern für den Stoff nichts Kürzeres vorgeschrieben ist.
Praxisbeispiel
Kennzeichen: UN 1H2/Y60/S/25/D/BAM 23456-ABC (Musterkennzeichen)
- 1H2: Fass (1) aus Kunststoff (H) mit abnehmbarem Deckel (2), also ein Deckelfass.
- Y60: geprüft für Stoffe der Verpackungsgruppen II und III, Bruttohöchstmasse 60 kg.
- S: für feste Stoffe oder Innenverpackungen.
- 25: hergestellt 2025. Der Monat steht bei Kunststofffässern zusätzlich in der Datumsuhr.
- D: Kennzeichen in Deutschland zugelassen.
- BAM 23456-ABC: Zulassungskennung der BAM mit Herstellerkürzel.
In unserem Sortiment finden Sie UN-zugelassene Verpackungen unter anderem bei den UN-Enghalsflaschen für Gefahrgut und den Kanistern aus PE-HD. Für feste Gefahrgüter eignen sich die CurTec Weithalsfässer mit Schraubdeckel, die Deckelfässer aus PE-HD und die vierkantigen UN-Weithalsflaschen aus PE-HD. Die genaue Zulassung steht jeweils beim Artikel.
Grundlage: ADR 2025, Abschnitte 6.1.2 (Codes), 6.1.3 (Kennzeichnung), 6.5.1.4 und 6.5.2.1 (IBC) sowie 4.1.1.15 (Verwendungsdauer); gleichlautend im RID und in den UN-Empfehlungen (Orange Book). Diese Übersicht ersetzt nicht den Zulassungsschein der jeweiligen Verpackung.
